Wissenschaftler und Inklusion

Unmittelbare und langfristige Folgen der eingeschränkten Einbindung von DDR-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihre internationalen Fachgemeinschaften

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Mit diesem Projekt wollen wir die Frage beantworten, wie die Forschungsbedingungen für Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern in der DDR und der Wandel dieser Bedingungen mit der deutschen Wiedervereinigung ihre Karrieren beeinflusst haben. Die naturwissenschaftliche Forschung in der DDR war aufgrund politischer und ökonomischer Restriktionen nur partiell in die Wissensproduktion internationaler Fachgemeinschaften eingebunden. In der politischen und gesellschaftlichen Transformationsphase zwischen 1989 und den späten 90er Jahren kam es auch zu einer grundlegenden Umstrukturierung der ostdeutschen Wissenschaftslandschaft. In dieser Phase verloren viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beschäftigungsmöglichkeiten, während andere eine Zeit der Unsicherheit und Turbulenz durchlebten und allmählich die Möglichkeit erhielten, unter international vergleichbaren Bedingungen zu forschen.

Wir möchten mit unserer Untersuchung die Frage beantworten, wie die Forschungsbedingungen im Spätsozialismus und danach die Forschungsinhalte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der DDR und ihre Integration in internationale Fachgemeinschaften beeinflusst haben.

Um die Biographien der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu rekonstruieren, führen wir in drei naturwissenschaftlichen Fachgebieten (Festkörperphysik, Molekularbiologie und chemische Verfahrenstechnik) Archivstudien durch, wenden bibliometrische Methoden an und führen forschungsbiographische Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die ihre Karrieren nach der Wiedervereinigung fortsetzen konnten.

Wir möchten mit dem Projekt zur (wissenschafts-)historischen Forschung beitragen, indem wir die Einbettung von Praktiken der Wissensproduktion in die späte DDR-Gesellschaft rekonstruieren und damit das Verständnis dieser Gesellschaft vertiefen. Unser soziologisches Erkenntnisinteresse ist die vergleichende Einordnung der Inklusion von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihre internationalen Fachgemeinschaften. Es gibt bis heute in allen nationalen Wissenschaftssystemen zumindest für einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beschränkungen ihrer Inklusion. Mit unserem Projekt wollen wir eine Theorie der Inklusion von Forscherinnen und Forschern in die internationale Wissensproduktion entwickeln. Das wird unser Verständnis von der Funktionsweise wissenschaftlicher Gemeinschaften vertiefen.

Teammitglieder:
Grit Laudel, Jochen Gläser, Jonathan C. Bauer
Studentische Hilfskräfte:    Jabora Speder, Kseniia Utievska, Berta Fischer

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Grafische Repräsentation dreier anhand von Publikationen im Web of Science rekonstruierten Forschungsbiographien. Kreise repräsentieren Publikationen (die Größe deutet die relative Anzahl von Zitierungen an). Linien repräsentieren die thematische Ähnlichkeit der Publikationen, die wir mit dem Anteil gleicher Referenzen in zwei Publikationen gemessen haben. Die Farben der Kreise repräsentieren Forschungsthemen (Cluster thematisch ähnlicher Publikationen).

Das Projekt wird durch das BMBF gefördert.

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